Totenschuhe


Auf dem Schreibtisch lagen drei Fotos. Drei unaufgeklärte Frauenmorde, die niemanden mehr interessierten. Hauptkommissar Akkermann drückte die Ellenbogen in die Schreibtischunterlage und legte das Kinn auf die Fäuste. Die Frauen schauten alle ähnlich. Ein wenig überrascht, bevor die nackte Angst sie für den Rest ihres Lebens packte.
Viel Zeit hatte er nicht mehr. Er war jetzt 58 Jahre alt. Drei davon hatte er verbraucht, um den Mann zu fassen, der ihm jährlich eine erdrosselte Frau präsentierte. Jetzt saß die Nächste mit einer Drahtschlinge um den Hals in der Waschküche eines Stuttgarter Mehrfamilienhauses. Als Akkermann zum Tatort fährt, liegt ein schmutzig grauer Himmel wie ein bleierner Deckel auf den umliegenden Weinbergen. Und drei Etagen über der Toten steht eine Frau am Fenster und baut aus den Scherben ihres Lebens ein tödliches Alibi für ihren Mann.